Unser südlichstes Ziel auf der Reise war die Stadt Kaohsiung, die an der Südwestküste liegt. Hier warteten warmes Wetter und viel Sonne auf uns, das wir nach unserem Bergabenteuer für ruhige Tage nutzen wollten. Wir planten zwei Übernachtungen, bevor wir über die Ostküste zurück nach Taipeh wollten.
Unser Hotel lag nah am Pier2, der für seine Kunstinstallationen bekannt ist. An der Flussmündung stehen sich die beiden Gebäude der Musikhalle gegenüber, deren Architektur ich sehr spannend fand. Das war sozusagen der erste Eindruck von unserer Station. Als wir am Sonntag dort ankamen, waren außerdem ein Handwerkermarkt und ein paar Essensstände am Rand des kleines Parks. Da wir etwas zu Essen dabei hatten, machten wir es uns auf der Decke gemütlich und genossen das warme Wetter und die Ruhe vor dem Autoverkehr. Unser Gepäck hatten wir vorher im Hotel abgestellt, sodass wir uns an Fluss und am Pier etwas umschauen konnten. Fürs Mittagessen gingen wir in ein vegetarisches Buffet-Restaurant. Das war sehr günstig und lecker! Abends besuchten wir einen der Nachtmärkte und holten uns dort Abendessen, da wir das Sortiment mittlerweile ganz gut kennen, zum mitnehmen, um am Fluss zu essen.




















Das Frühstück gab es im 200 m weiter gelegenen Geschwisterhotel und war ein riesiges Buffet. Es gab verschiedene herzhafte Sachen, wie Nudeln, Reis, Congee und allerlei frittiertes aber auch süßes – teilweise natürlich auch frittiert. Die kalten Tee-Mischgetränke aus einem Automaten waren unglaublich süß. Dafür fand ich den Automaten für frischen Tee gut und wir entdeckten heiße Adzuki-Bohnen-Milch. Sehr süß, etwas nussig aber auch sehr lecker! Da wir natürlich nicht den ganzen Tag frühstücken wollten, nahmen wir einen Bus an den nördlichen Stadtrand zum Lotussee. Die Runde um den künstlichen See hat 5 km und führt an diversen Tempeln am Ufer mit ihren im Wasser gelegenen zugehörigen Pagoden vorbei. Der größte Tempel am Nordrand, der Konfuzius-Tempel, war leider zu. Auf der Wiese davor fahren wir allerdings trotzdem einen Platz für eine Pause auf der Decke. Im Hintergrund wurde ein Paar an der öffentlichen Toilette geschminkt und eingekleidet, um Hochzeitsbilder in traditioneller Kleidung zu machen. Vor allem bei der Frau haben Make-Up und Frisur eine Ewigkeit gedauert. An dieser Stelle muss ich ein Loblied auf die öffentlichen Toiletten im Land singen. Es gibt sie reichlich, sie sind in einem guten Zustand und kostenlos! Es gibt sogar überall Wickelstationen und sehr oft so genannte Stillräume, weil Stillen in der Öffentlichkeit zwar ausdrücklich erlaubt ist aber nicht gemacht wird. Zumindest habe ich keine Frau draußen stillen sehen. Die Räume gibt es auch in Zügen. Zurück zur Hochzeit: wir haben das Paar später vor einem Nebentempel gesehen, weil der große Tempel geschlossen war (auch in Taiwan sind viele Attraktionen, Museen usw montags zu). Nachmittags fuhren wir zum ehemaligen britischen Konsulat, auf einen Hügel am Meer. Der irrenführende Name hat in den letzten Jahrzehnten wohl immer wieder dazu geführt, dass Leute mit ihren Anliegen dorthin kamen und dort nur den ehemaligen britischen Handelsposten vorhanden; das (200 Jahre) neuere Pendant zu Fort Zeelandija in Tainan. Für den Weg nach oben nahm ich Max in die Trage während Micha mit Rucksack und zusammengeklapptem Reisebuggy alles andere trug. Von dort oben war der Strand so verlockend nah, dass wir eine wahnsinnig steile Straße runter nahmen (die Alternative zu den Treppen). Unten angekommen führte uns die Straße zum Strand entlang riesiger Felsstücke aus Vulkangestein, an Straßenhunden und einem Affen vorbei. Die Straßenhunde waren sehr entspannt und haben sich nicht für Leute interessiert. Beim Affen waren wir uns nicht sicher, was er vorhatte, weil er die Zähne fletschte (wie bezeichnet man das bei Affen?) und uns anfauchte. Wir ignorierten ihn und liefen auf dem Gehweg weiter. Am Strand war nicht viel los und weil wir einen Bus bekommen wollten, ließen wir das Baden sein und spazierten nur am Wasser entlang. Bei der anschließenden Pause in einem Park/Freilicht-Kunstmuseum/Freilicht-Eisenbahnmusem buchten wir spontan eine Nacht länger in Kaohsiung und verschoben unsere nächste Unterkunft nach hinten. 25°C und Sonne waren einfach verlockender als Regen. Das Abendessen hielten wir mit Konbini-Essen einfach.
















Der nächste Tag wurde allerdings noch wärmer und mir damit schon fast zu warm. Micha fand es dagegen genau richtig und freute sich über die Sonne. Wir nahmen eine Fähre auf die vorgelagerte Insel Cijin, um uns dort den Leuchtturm auf dem Hügel zur Hafeneinfahrt anzuschauen, und um uns ein bisschen an den Strand zu legen. Puh, was das warm; und unseren kalten Tee hatten wir natürlich schon leer getrunken. Micha hat einen Grüntee mit Zitrone und Salz und ich einen Milchtee (Schwarztee mit Sojamilch) mit wackelpuddingartigen Stücken aus Schwarztee drin. Mit Max in der Trage und einem Regenschirm aka Sonnenschirm ausgestattet nahmen wir die Treppen nach oben in Angriff. Den Eingang zur Straße hatten wir leider wegen diversen Baustellen verpasst und deshalb übernahm Micha mal wieder die Rolle des Gepäckträgers. Auf halber Höhe befindet sich ein altes Fort, das der Befestigung/Verteidigung der Hafeneinfahrt diente. Von den ehemals drei Anlagen ist nur noch die mittlere übrig. Hier und oben am Leuchtturm hatten wir eine wirklich sehr schöne Aussicht zur Stadt und vor allem aufs Meer! Rund um die Anlagen konnten wir außerdem das bei uns berühmt berüchtigte Beton-Holz bewundern, das dem japanischen sehr stark ähnelt aber allerdings anscheinend nicht ganz so widerstandsfähig ist. Die Suche nach einem gemütlichen Platz am Strand gestaltete sich schwieriger, weil aufgrund der Nebensaison viele Baustellen rund um den Strand waren. Durch die Sonne und Sand liefen wir zu einer schönen Stelle. Das Wasser war richtig warm! In der nahegelegenen Markthalle gab es übrigens nur getrockneten Fisch. Und zwar diversen und in verschiedenen Formen, darunter gerieben, in kleinen Stücken, in großen Stücken, als Flocken usw. Auf dem Rückweg probierten wir eine Limo aus Wintermelone und Aloe Vera aus. Das hat uns nicht überzeugt, weil die Aloe Vera eine echt unangenehme Konsistenz hat und die Wintermelone kräftig im Geschmack ist. Ob die Menge Zucker das verbessert oder verschlimmbessert hat, weiß ich nicht. Nachdem wir Palmen mit Açai-Beeren gesehen haben, sofern Google das richtig erkannt hat, hatte ich eher auf so etwas gehofft. Abends probierten wir einen Essenstand in der Nähe des Hotels aus, den zwei alte Frauen betreiben. Es gab dünne in gut Öl ausgebackene Lauchpfannkuchen.




















Nach Kaohsiung geht es weiter um die Insel rum in den Nordosten nach Hualien. Dort wollen wir wieder ein bisschen wandern und uns die Küste ansehen.
Interessante Einblicke in das Land