Unsere letzte längere Reiseetappe führte uns mit Zwischenstopp zurück nach Taipeh. Das mag einfach klingen, war es aber leider nicht. Wir verpassten morgens erstmal den Bus an den Bahnhof, weil die Anzeigen an den Haltestellen nicht stimmen bzw verspätete Busse manchmal nicht angezeigt werden. Das hatte zur Folge, dass wir auch den Zug verpassten, für den wir uns vorab schon Fahrkarten gekauft hatten. Leider konnten wir nur den nächsten Bummelzug nehmen. Und das war wirklich einer; im Zugdisplay stand sogar auf englisch, dass der Zug überall halten wird. Unser ursprünglicher Zug hatte weniger Haltestellen gehabt und auch bequemere Sitze aber immerhin mussten wir keine neuen Fahrkarten kaufen. Unser Zwischenhalt lag in Jioaxi, einer kleinen Stadt südöstlich von Taipeh, in der es heiße Quellen gibt und von wo aus ein günstiger Bus direkt nach Taipeh zum Taipei 101 fährt. Unsere Umstiegszeit reichte für einen Besuch im öffentlichen Fußonsen.




Am Taipei 101 gingen wir erstmal zu den Schließfächern unten im Einkaufszentrum, damit wir überhaupt auf die Aussichtsplattform gehen konnten. Wir hatten damit gerechnet, länger warten zu müssen, um hochfahren zu können aber konnten direkt durch gehen. Der Aufzug ist einer der schnellsten der Welt und beschleunigt so stark, dass es sich ein bisschen wie bei einem Flugstart anfühlt. Nach nur 40 s waren wir im 89. Stock auf 400 m Höhe. Wir hatten den Besuch auf dem Turm zu Beginn des Urlaubs wegen des riesigen Wetters an das Urlaubsende geschoben und hatten tatsächlich Glück. Es war zwar grau aber wir konnten die Stadt unter uns gut sehen. Mit weniger Wolken hätten wir sogar noch einen schönen Sonnenuntergang sehen können. Trotzdem waren wir ziemlich lange oben und gingen erst in der Dämmerung einen Stock runter, wo man die Ausgleichsmassee, den Dämpfer, für Schwingungen des Gebäudes wie bei Erdbeben sehen konnte. Eine riesige gold lackierte Stahlkugel, die 660 Tonnen schwer ist. Dank Buggy durften wir mit dem Fahrstuhl den einen Stock runter fahren während alle anderen die Treppe nehmen müssen. Dafür haben sich die Mitarbeiter am Aufzug per Funk verständigt, damit wir das eine Stockwerk fahren können, weil das nicht auf dem Bedienpult ist. Wir also rein in den Aufzug und nach ca 30 s drückte Micha auf den „Türen öffnen“- Knopf, weil wir nicht so losfuhren. Die Mitarbeiterin war ganz schön erstaunt, dass wir immernoch da waren, weil eigentlich jemand von unten den Aufzug rufen sollte. Sie öffnete schnell ein verstecktes Bedienpanel und so kamen wir doch noch im richtigen Stock an. Wir wurden super freundlich empfangen. Bitte hier entlang, Warteschlange nach unten machen Sie bitte mal Platz, Achtung eine Stufe, hier nochmal entlang und dann hatten wir es geschafft. Am Dämpfer zeigten Videos dessen Bewegungen während den letzten großen Erdbeben in Taiwan. Das war schon beeindruckend zu sehen. Die Aufzugsfahrt runter dauerte übrigens etwas länger.






Vom Hotel machten wir einen Spaziergang zur nahegelegenen alten Straße, in der es viele alte Häuser im westlichen Stil und einen Markt gibt. Von den Häusern konnte man leider nicht so viel sehen. Es regnete und das Meer an Regenschirmen verdeckte die Sicht und außerdem waren die Stände ziemlich gut beleuchtet. Es gab alles zu kaufen, von Süßigkeiten über Trockenfrüchte, später auch Kleidung und Kochzubehör. Viele Stände luden zum probieren ein und da wir noch nicht gegessen hatten, nutzte ich das auch ein wenig aus. Dort Gemüsechips, da was Süßes,… so konnte es doch weitergehen. Naja, vielleicht doch nicht, schließlich wird man davon auch nicht satt. Wir bummelten also weiter zum nächsten großen Nachtmarkt, um was richtiges holen. Praktischerweise war der überdacht, wenn auch richtig voll und wir somit mit durchs Gedränge mussten. Wir probierten einen frischen Guavensaft, Takoyaki mit Wasabi und einen großen Topf voller frittierter Pilze. Zum satt werden holten wir uns allerdings noch eine Portion kalte Nudeln mit Sesamsoße.











Für den letzten Tag hatte ich mir den Besuch des Nationalen Palastmuseums gewünscht, das die meisten alten chinesischen Kunstschätze besitzt. Da es im Hotel kein Frühstück gab, suchten wir uns ein Frühstückslokal um die Ecke aus. Und zum ersten Mal hatten wir eingepacktes Geschirr. Ich hatte das schon ein paar Mal gesehen, dass kleine Lokale, die von Hand spülen, manchmal die Teller und Platten in passende Beutel packen und somit den Aufwand für sich gering halten. Etwas komisch aber passt zur allgemeinen Menge an Wegwerfprodukten, die mir aufgefallen sind. Auf jeden Fall war es lecker und nach etwas Stress mit der Bussuche, waren wir auf dem Weg ins Museum. Auf dem Weg dorthin hatten wir wie beim Taipei 101 schon unser ganzes Gepäck dabei, weil wir danach direkt in unsere letzte Unterkunft wollten. Voll beladen standen wir im Stadtteil Shilin und haben nach dem richtigen Bus und der dazugehörigen Haltestelle gesucht, da wegen des Sonntags die Busse von der Google-Auskunft abwichen. Praktischerweise sprach uns eine Frau auf deutsch an und bot uns ihre Hilfe an. Sie selbst war Taiwanesin doch durch ihren deutschen Mann konnte sie auch deutsch und auf jeden Fall englisch. Das war wirklich nett. So gab sie uns den Tipp eine andere Linie zu nehmen, die am Museum bis oben hin fährt und nicht am Fuß der Treppe hält, damit wir nicht so viel hochschleppen müssen. Der Tipp war super, zumal die meisten Leute (vor allem Museumbesucher) erst eine Haltestelle später einstiegen, sodass wir einen Sitzplatz im sehr voll gewordenen Bus bekommen haben.
Ich hatte befürchtet, dass die Ausstellung aus Massen an Objekten besteht, so wie ich das im großen Museum in Kairo gesehen hatte. Allerdings bestätigte sich das zum Glück nicht und die meisten Ausstellungen waren recht interessant. Nur mit der Ausstellung über chinesische Kalligraphie konnten wir wenig anfangen.








Mit dieser Wissenserweiterung und unserem Gepäck machten wir uns auf den Weg nach Beitou. Das ist eine Stadt, die nördlich an Taipeh anschließt und wo es heiße Quellen gibt. Dort hatten wir uns für die letzte Nacht in einem Hotel mit Onsen einquartiert. Nochmal richtig entspannen bevor es am nächsten Tag zum Flughafen und nach Hause ging. In einem Tal am Stadtrand gibt es einen kleinen See einer heißen Quelle. Die Quelle hat 90°C heißes Wasser und lässt die Steine grün werden.














Nach 28 Stunden Reisezeit nach der Abfahrt vom Hotel waren wir wieder zurück zu Hause. Die Flüge haben wir ganz gut verkraftet. Spannend war nur, das Max wohl doch ca. 2cm gewachsen sein muss in den letzen Wochen, und er nicht mehr gut in das Babykörbchen im Flieger gepasst hat. Da war ein bisschen Verhandlung mit den netten Flugbegleitern nötig. Kaputt und müde und gleichzeitig traurig, dass es vorbei ist und eine Weile dauern wird, bis die Bäume hier wieder Blätter haben. Wir landeten morgens um 6 Uhr in Frankfurt und hatten an diesem Tag richtig Glück, weil mittags so starker Schneefall einsetzte, dass der Betrieb am Flughafen eingestellt wurde und Flüge umgeleitet wurden.
Was kann man abschließend sagen? Taiwan ist super. Für so ein eher kleines Land (ca. so groß wie Baden-Würtemberg, 23 Mio. Einwohner), ist es unfassbar schön und abwechslungsreich. Von der Natur, den Menschen, dem Essen, dem Wetter, alles. Vor allem die Menschen sind unfassbar freundlich und zuvorkommend. Und Max fanden sie alle super. Er hat immer jemanden gefunden, mit dem er sich unterhalten konnte, egal ob in der Metro, im Bus oder im Restaurant. Insgesamt gibt es dort eine wirklich sehr gute Infrastruktur für Babys: die Still- und Wickelräume gabs so ziemlich an jeder Ecke egal ob im Supermarkt, im Park oder auch mal im Konbini. Vor allem letztere führen immer Windeln, Babynahrung und co, sodass man im Fall der Fälle dort alles bekommen würde. Dabei ist uns allerdings auch aufgefallen, dass es dort keine Babygläschen gibt. Die Babys bekommen sehr lange Säuglingsnahrung mit der Flasche und ab einem halben Jahr ab und an Congee. So haben wir das auch gemacht.
Ein bisschen schade fanden wir es allerdings schon, dass wir nicht mit dem Rad unterwegs waren. Die Bewegung draußen und dabei von A nach B zu kommen, macht uns einfach Spaß und es juckte uns ein paar Mal in den Beinen vor Ort Räder zu mieten. Für die Kindersitze hintendrauf ist Max allerdings noch zu klein. Vor allem als wir mit den Zügen über Land unterwegs waren und auch in den Bergen. Hätten wir den Thule statt dem Buggy dabei gehabt, wer weiß… Das Land bietet sich wirklich gut zum Erkunden mit dem Rad an, es gibt zwar nicht viele eigene Radwege, aber dafür viele ausgewiesene Routen durchs ganze Land. Wer weiß, vielleicht kommen wir irgendwann nochmal nach Taiwan.
Danke euch wieder für Mitkommen und Mitlesen in unserem Reisetagebuch. Wir sehen uns wahrscheinlich wieder im Sommer. Dann gehts für uns nämlich mal wieder mit dem Rad los. 5 Wochen Frankreich =)
Bis dahin. Anna, Max und Micha Fuhrmann – Februar 2026