Tainan

Tainan befindet sich ca 300 km südlich von Taipeh auf der Westseite der Insel und ist an das Hochgeschwindigkeitsnetz von Taiwan angeschlossen. Früher war Tainan die Hauptstadt Taiwans.

Für die knapp 2 stündige Fahrt haben wir uns am Hauptbahnhof eine Bentobox gekauft, was hier viele Leute machen. Die ist günstig (ca 3 €) und macht satt. Es gab eine große Auswahl und das bestellen ging zum Glück leicht, indem ich auf die Schildchen auf der Scheibe gezeigt habe, weil ich immer noch kein Mandarin kann. Die Boxen waren in großen Stapeln vorbereitet, weshalb ich denke, dass zu Stoßzeiten richtig viel los ist. Danach gingen wir in den Wartebereich, wovon es in Taipeh einen unter und einen über dem Gleis gab. In die Wartebereiche kann man 60 min vor Abfahrt des Zuges und sind notwendig, da die Bahnsteige sehr eng sind. Wenn man dann aufs Gleis geht, gibt es für jeden Wagen und den Sitzplatznummerbereich eine zugewiesene Tür, wo man sich dann in einem eingezeichneten Bereich in einer Schlange aufstellt. Das ist sehr organisiert aber funktioniert auch. Auf der Fahrt stellten wir fest, dass die Landschaft uns stark an Japan erinnert. Wobei wir hier nicht von weiter Natur sprechen, sondern von Feldern zwischen Häusern am Stadtrand, da die Westküste sehr dicht bevölkert ist. An größeren Feldern sahen wir einige Gewächshäuser als wir schon nahe an Tainan waren. Hier ist es nämlich deutlich wärmer als in Taipeh. Aus Sicht der Tainaner muss Taipeh Sibirien sein, weil unser Gastgeber im Hotel uns fragte, ob es in Taipeh nicht ziemlich kalt wäre. Für uns war es eine Fahrt vom Frühling in den Sommer, wir konnten uns also nicht beschweren. Das Hotel liegt in einer der vielen verwinkelten kleinen Gassen, die es in Tainan zwischen den Hauptstraßen gibt und war sehr schön. Da hat Micha was richtig schönes kleines gefunden! Wir sind übrigens mehr als einmal am Hoteleingang vorbeigelaufen, weil der etwas versteckt ist. Nach dem Check-in haben wir einen Spaziergang gemacht, weil wir unter anderem Anti-Mückenspray gebraucht haben. Das spazieren machte allerdings nicht so viel Spaß, weil es an den Hauptstraßen ziemlich laut ist und es oft keine Gehwege gibt. Die vorhanden Arkaden gehören zu den Häusern und sind fast alle auf einem anderen Niveau. Sprich, dass man ständig eine Stufe hoch oder runter muss – mal mit Rampe, mal ohne, mal eine kleine Stufe und mal eine große. Und vor allem abends werden die Flächen für Mini-Restaurants und Imbisse für die Küche genutzt. Als Spaziergänger muss man dann auf die Straße ausweichen. Ich empfand das nicht als gefährlich sondern vor allem als ungemütlich. Auf der Suche nach einem Abendessen schauten wir uns die Stände an und landeten schließlich zufällig bei einem kleinen japanischen Lokal.

Solche und ähnliche Schilder gibt es in so ziemlich allen Zügen, Aufzügstüren und Schiebetüren im Allgemeinen
Zug-Bentonbox mit Fisch und eingelegtem Ei und unten die vegetarische Box
Roller, Roller und noch mehr Roller
Japanisches Reisgericht mit Omelett drüber
Hoppla, schon wieder ein Nachtmarkt

Nach einem interessanten Frühstück, das wir zumindest probiert haben, entschieden wir uns das wir am nächsten Tag ohne auskommen und uns lieber etwas anderes kaufen würden. Tagsüber wollten wir uns die Stadt anschauen und nahmen dafür zur Freude der Mitfahrenden den Bus (Max sorgt überall für gute Laune). Wir steuerten zuerst einen Teeladen an, um Bubble Tea und Milchtee zu kaufen. Mit den Bechern in der Hand liefen wir am Kanal entlang zum Fort Zeelandija. Die Banyan-Bäume mit ihren vielen Luftwurzeln sind beeindruckend groß. Kurz vor dem Fort erschreckten wir durch einen lauten Knall einer kleinen Maschine am Straßenrand. Das waren Krabbenchips! Mit dem Knall kamen die großen Chips wie kleine Frisbees rausgeschossen und landeten an einem Metallgitter. Ich hab mir vorher noch nie Gedanken gemacht, wie die Chips gemacht werden. Unser nächstes Erlebnis hatten wir im Besucherzentrum des Stadtteils, als die Damen des Zentrums Max sahen und ganz freudig Fotos von uns vor dem Gebäude machen wollten, weil sie Max so süß fanden. Außerdem bekam er einen Schlüsselanhänger geschenkt. Die Taiwanesen sind echt verrückt was Babys angeht! Max macht es ihnen aber auch einfach, weil er so ziemlich jeden anlächelt und auf Reaktionen wartet. Schon bei der Fahrt in den Bus hat er eine ganze Gruppe Teenies unterhalten bzw sich unterhalten lassen.

Das von den Niederländern im 17. Jahrhundert, damals noch auf Famosa (die damalige Bezeichnung für Taiwan), gebaute Fort lag zu der Zeit direkt am Meer ist aber durch Versandung der Lagune mittlerweile einiges davon entfernt. Die berühmte gute Radinfrastruktur der Niederländer konnten wir allerdings nicht vorfinden. (Die Niederländer wollten ursprünglich in China einen Handelsposten errichten, mussten jedoch auf Taiwan ausweichen und bleiben dann für 60-70 Jahre auf Taiwan bevor die Chinesen die Insel übernahmen und für die nächsten etwa 150 Jahre über die Insel herrschten. Deshalb ist Tainan die älteste Stadt Taiwans und besitzt außer dem Fort viele alte Tempel. Die alten Stadtmauern sind wie in vielen anderen Städten dem Wachstum gewichen.) Die großen Tempel ließen wir allerdings zugunsten eines Ausflugs ans Meer aus. Auch wenn der Fußweg dorthin nicht einladend war, konnten wir am Strand zumindest alle drei die Füße ins kalte Meer halten und kurz mit dem warmen Sand spielen.

Frühstück – Links: Reis-Fleisch-Pudding über den man eine Soße gibt, die geschmacklich einer Bratensoße ähnelt, rechts Milchfisch im mit Yamawurzel angedickten Kochwasser, sodass das gelig wird und oben roter Drachenfrucht. Da dürfte nicht schwer sein, zu erraten, was unser Favorit war.
Banyan-Bäume
Strand und viel Austernzucht im Wasser

Den Rest der Sehenswürdigkeiten ließen wir aus, weil wir unsere Rucksäcke für die nächsten Tage umpacken wollten. Deshalb gingen wir nur später am Abend für einen Nachtisch raus und weil wir die online reservierten Zugtickets für morgen in einem Konbini ausdrucken lassen wollten, damit wir länger schlafen können.

Die Shennong-Straße ist für die kleinen Kunsthandwerksläden und die Pavillons bekannt.
Süße Sojamilch mit Reis, Seidentofu, roten Bohnen und Marzipancreme. Voll mein Geschmack, auch wenn es farblich kein Hingucker ist!

2 Replies to “Tainan”

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