Sayonara ist hier angebracht…

Ja das ist jetzt lustig: dieser letzte Blogartikel aus Japan war eigentlich fast fertig, nur die Bilder haben gefehlt. Wir haben vergessen uns nach dem Ende der Japan Reise drum zu kümmern (Marc, Annas Arbeitskollege, war da der einzige dem das tatsächlich aufgefallen ist.) Wir dachten der Entwurf wäre weg und haben deswegen einen Haken dran gemacht. Jetzt während der Taiwanreise wurde er jedoch wieder gefunden, tief im WordPress vergraben. Also hier für euch, kurz vor dem letzten Blogartikel aus Taiwan, einmal das Sayonara aus Japan – Micha

… Wir nähern uns dem Ende unserer Reise und zählen weiter, was wir alles zum letzten Mal in Japan machen. Nach unserer letzten Radetappe beginnt die Woche mit unserer letzten Zugfahrt nach Fukuoka. Da das Einpacken der Räder für den Zug aber immer auch mit etwas Stress verbunden war, sind wir diesmal erleichtert, dass es die letzte Zugfahrt sein wird. Trotzdem werden wir während der Fahrt beim Blick aus dem Fenster etwas melancholisch und würden die Strecke am liebsten auf den Rädern zurücklegen. Allerdings müssen wir am gleichen Tag noch Fahrradkartons für den Rückflug organisieren und haben nicht genug Zeit zum Radfahren.

Ein letztes Mal zum Bahnhof
Das ging aber schnell

Dafür sind wir mit den Zug so früh angekommen, dass wir im Hotel noch nicht einchecken können. Da wir aber die Fahrradkartons nicht mit bepackten Rädern beginnen wollen, geben wir unsere vielen Einzeltaschen an der Rezeption ab, was dort zu einiger Verwunderung führt. Die Rezeption werden wir in den nächsten beiden Tagen noch öfters für uns einspannen, wobei wir das Ausmaß zu Beginn noch nicht abschätzen bzw. erahnen können.

Bevor wir die Suche nach Fahrradkartons starten, fahren wir zu einem Baumarkt um Klebeband und eventuell auch Packmaterial zu kaufen. Selbstverständlich schauen wir in fast jeden Gang rein, da wir auf das japanische Sortiment neugierig sind. Und auch, wenn wir ein paar Kleinigkeiten sehen, die es bei uns nicht gibt (z. B. einen Bit-Halter für einen Schlüsselring oder ein kleines Werkzeug zum Schärfen von Handsägen), ist es am Ende eben doch nur ein Baumarkt. Ausgestattet mit einer großen Rolle Klebeband, fahren wir zu einem großen Radladen und erfahren dort, dass sie aktuell keine Radkartons haben. Der Mitarbeiter ist jedoch so nett und ruft für uns in anderen Filialen der Kette an. Dies führt zu einem Teilerfolg, sodass wir nach zwei weiteren Fahrradläden zwei Kartons in den Händen halten. Micha beschließt kurzerhand die zwei Kartons ineinander gesetzt auf dem Rücken zu transportieren. Kurier, jonglier eben. Auf der Rückfahrt zum Hotel fahre ich voraus und versuche Engstellen zu vermeiden, damit Micha mit den 1,70 m breiten Kartons überall durchkommt. Uns überrascht es nicht, dass sich kaum jemand nach uns umdreht. Denn das haben wir unserer Zeit in Japan gelernt: was Andere machen ist vorerst deren Sache, und dass große Dinge auf Rädern transportiert werden, ist auch nicht unüblich.

der Karton war riesig

Abends erkunden wir das Nachtleben in Fukuoka und die am Ufer stehenden Essensstände, wo wir aber leider keinen Platz bekommen und uns etwas anderes suchen. Die Stände werden nachmittags aufgebaut und bieten Getränke und Essen an. Es sind kleine Stände, die etwas provisorisch wirken, mit kleiner Küche im Hintergrund und meistens einem Grill oder Pfanne in der Mitte, worum die Sitzplätze angeordnet sind. Am Abend ist die Stadt gut gefüllt und wir sind überrascht, wieviele Touristen dort sind. Auf einem anderen Abschnitt der Promenade spielen Straßenmusiker und – Musikerinnen japanischen Pop, Rock aber auch Stücke die etwas mit Jazz und alten japanischen Stücken zu tun haben könnten. So ganz genau können wir es nicht zuordnen aber es klingt interessant.

Hakata – kleine Essenstände
Fukuoka ist eine tolle Stadt
Wir waren Tempura essen – rote Bohnenmus-Tempura
Bedienung unklar
Angenehm handwarm für ca. 0,80€

Unseren letzten Tag beginnen wir mit Packen. Wir sind etwas traurig, dass die Zeit vorbei ist und können uns noch gar nicht richtig vorstellen, wieder in den Alltag zu Hause zu kommen. Diese Gedanken verfliegen allerdings beim Frühstück mit Reis, Miso Suppe, Fisch, gebratene Nudeln uvm wieder schnell. Danach gehen wir in die Stadt, denn mangels Platz auf den Rädern haben wir bisher (fast) keine Mitbringsel gekauft und wollen unser noch freies Gepäckstück für den Heimflug ausnutzen. 23 kg haben wir für Süßigkeiten, Erinnerungen aus Yokohama, Sake und andere Mitbringsel. Für uns kaufen wir ein paar Küchensachen in der Küchenabteilung einer Art Kaufhof u. Ä.. Wir kaufen eine Form, um schöne dreieckige Onigiris machen zu können, riesige Stäbchen zum frittieren und noch ein paar Kleinigkeiten. Außerdem begeistern uns Magnete, die die Kanaldeckelmotive haben. Als wir später an einem Sakeladen vorbei kommen, überrede ich Micha reinzugehen und verschiedene Sake zu probieren. Das haben wir nämlich bisher nicht als Sakeprobe in einem Geschäft gemacht. Schlussendlich kaufen wir 4 Flaschen und füllen damit das freie Gepäckstück weiter auf. Aber noch haben wir Platz und vor allem keine Süßigkeiten. Also steuern wir einen DonQuijote an. Diese Läden zeigen Japan von einer ganz anderen Seite. Im Stile einer Ikea-Warenhalle nur ohne wegweisende Pfeile führt eine Unzahl an engen Regalen durch ein fensterloses Labyrinth zwischen Essen, Badartikeln, Kostümen, Schnaps, Kleidung, Elektroartikeln usw usw bis zu den Süßigkeiten. Zuerst packen wir die Sachen ein, die in den letzten Wochen unsere Favoriten geworden sind und füllen den Korb am Ende noch mit ein paar Knabbersachen, die wir nicht kennen. Ahh ja und dann haben wir noch einen neuen Koffer gekauft, irgendwie müssen wir die Mitbringsel ja mitbekommen. Abends nutzen wir nochmal die Balkonbadewanne unseres Hotelzimmers bevor ein letztes Mal in Japan die Augen zugemacht werden.

Kuckuck!
Kitto Katsu (きっと勝つ) – „du wirst sicher erfolgreich sein“ übersetzt
Abendsnack – Tofu, frittiert
Klein aber fein

Zum Glück erwartet uns ein letztes, tolles japanisches Hotelfrühstück, bevor es schon eher früh Richtung Flughafen gehen muss. Die Räder sind verpackt, unsere Radtaschen stecken in ihrem großen Ortliebsack, und der Duffelpack mit den ganzen Mitbringseln ist auch bereit. Plan war, die 2km zum Flughafen mit einem Taxi zu überbrücken, der Flughafen ist mitten in der Stadt praktischerweise. Schlau wie wir sind haben wir am Vortag ein Foto von einem großen Mini-Transporter-Taxi gemacht, dass wir beim bestellen des Taxis an der Rezeption vorzeigen: so eins hätten wir gerne, da sollten unsere Radkartons reinpassen. Und dann wird’s sehr konfus: ein Taxi kommt, aber es war nur eine kleine Limousine mit Flachheck. Der Taxifahrer war sichtlich verwirrt, warum wir so viel Gepäck haben. Wir haben ihm dann erklärt, dass wir so nicht mit können, und er hat dann eine Kollegin angerufen. Die kam dann mit einem Kombi, aber auch da hat zumindest Michas Karton nicht reingepasst. Dazwischen hat die Rezeption noch versucht, das alles zu klären und erklären. Und es ging richtig Zeit ins Land, langsam wurden wir nervös: kommt jetzt noch ein Mini-Transporter oder nicht? Die Dame mit dem Kombi ist dann weggefahren, weil auch Annas Karton nicht gut reinging, se war trotz umgeklappten Rücksitzen zu lang. In die flache Limousine hat der aber reingepasst. Mit offenen Kofferraum hätte Michas Karton noch draufgepasst, aber sowas wildes geht in Japan natürlich nicht. Zum Schluss wurd es uns zeitlich zu heikel. Dass man Michas Karton mit Spanngurten gut auf dem Rücken tragen kann, wussten wir vom Vortag. Also spannte er sich den Karton auf den Rücken und lief die 2km zu Fuß zum Flughafen. Anna nahm den Rest des Gepäcks mit dem kleinen Limousinen Taxi zum Flughafen. Was ein Stress das zum Schluss war!

das Taxi-Bild aus dem Text

Am Flughafen angekommen war dann aber alles wieder gut. Micha tat ein bisschen der Rücken weh. Der Check-In lief dann wieder unproblematisch. Der Anblick der großen Kartons hat am Personal wohl einen kleinen Schreck ausgelöst, so wurden wir direkt an den Business-Class-Schalter zur Klärung gelotst. Da kam die Info, das Michas Rad Karton sehr groß ist und nicht in einen Gepäckcontainer passt, und deshalb eventuell beim Umladen in Hongkong ein Flugzeug später nehmen muss. Aber seis drum, Hauptsache das Rad darf mit. Als wir dann am Gate saßen, wir unsere letzten Yen in Schnapps im letzten 7-11 investierten, setzte so langsam der Urlaubsblaues so richtig ein 🙁 wir waren nicht nur ein bisschen traurig…

Sehr traurig
Der letzte Konbini-Besuch
Sehr sehr traurig
Der Aso-Vulkan bei Sonnenuntergang

Wieder über Hongkong ging es zurück. Den Flug haben wir dieses Mal besser verkraftet und  viel geschlafen. Beim Umstieg in HK gab’s dann netterweise auch nochmal gut Bewegung, da unser Gate für den Flug nach FFM 3x mal gewechselt wurde. Und das dann wirklich von einem Finger des Terminals zum komplett entgegengesetzten. Dabei kamen fast 7km Fußweg zusammen in den 2,5h. Tat wirklich gut.

Handgepäcks-Rollwagen war sehr angenehm

Angekommen in Frankfurt dann die große Erleichterung: alles Gepäck ist da, wir sind sogar halbwegs ausgeschlafen, und nach der Zeitumstellung haben wir uns auch nicht im Datum geirrt und Annas Papa Edgar zum abholen für den falschen Tag bestellt. Ein letztes Mal packen wir die Räder aus und bauen sie zusammen (was nach so viel Rinku-Bag-Übung der letzten Wochen wirklich schnell geht), und laden sie oben in die Fahrradhalter auf dem Auto. Bald darauf sind wir wieder zu Hause.

Kleine Ortliebs gehen ins Handgepäck
Alle Mitbringsel
Erstausstattung im GoAsia-Supermarkt – haben das japanische Regal gefunden

Ob man zu so einer Reise ein kurzes Fazit schreiben kann, wissen wir nicht. Wir könnten glaub ich nochmals einen Blogartikel nur diesem Thema widmen. Vielleicht machen wir das auch noch. Fest steht für uns, dass ein kaum eine bessere Art gibt um ein neues Land zu erkunden, als mit dem Fahrrad zu reisen. Japan ist dafür auch mehr als gut geeignet. Das es uns dort auch noch so gut gefällt, wir von Kultur, Menschen, Essen so sehr begeistert sind, hat es für uns zu einer unfassbar schönen Erlebnis gemacht. Zum Glück haben wir noch nicht alles gesehen. Deswegen werden wir mit Sicherheit nochmals dorthin fahren. Und uns für zu Hause erstmal einen Reiskocher zulegen.

Danke euch allen fürs Lesen unseres Reisetagebuchs. Bis bald, zu unseren nächsten Abenteuern.

Anna und Micha, Oktober 2023

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert