Die Ostküste Taiwans ist im Vergleich zur Westküste nur dünn besiedelt, weil die Berge auf dieser Inselseite ziemlich steil zur Küste hin abfallen. Im südlichen Abschnitt bekommt man aus dem Zug einen guten Blick auf die Strände bis die Bahn hinter einer Hügelkette fährt. Perfekt also für unsere Zugfahrt nach Hualien und mit blauem Himmel sah das Meer wirklich schön aus! Wir fuhren an großen Palmenplantagen vorbei aber auch an einigen Bananenplantagen und gefühlt an genauso vielen riesigen Flussbetten, die zur Zeit trocken sind. Die gut 200 m breiten Flussbetten werden wahrscheinlich in der Monsunzeit gebraucht. Hualien ist mit knapp 100.000 Einwohnern eine relativ kleine Stadt und deshalb war das für uns eine schöne Abwechslung nach der Städten der Westküste. Am Bahnhof angekommen fiel uns das großzügige und moderne Gebäude auf. Wenn ich an Bahnhöfe von vergleichsweise großen Städten in Deutschland denke, ist der von Hualien eine ganz schön schicke Sache. Mitten in diese Idylle platzten drei F16-Jets im Landeanflug an den nahegelegenen Flughafen. (Bei Militärübungen muss das wahnsinnig laut über der Stadt sein.) Mit etwas Suchen fanden wir den Busbahnhof und den richtigen Bus Richtung Hotel. Max „erschlich“ sich mit seinem Lachen mal wieder ein Stück Schokolade von einer Mitfahrerin, das wir natürlich gerne für ihn essen werden. Die Hauswände waren übrigens voller Reklameschilder und roten Lampions, die für das Neujahrsfest sind, das in zwei Wochen ist. Dabei konnten wir viele internationale Namen lesen, weshalb die Stadt auf uns mit den vielen Hotels und Cafés ziemlich touristisch wirkte.




Eigentlich wollten wir nachmittags noch ans Meer fahren, allerdings waren wir nach der langen Zugfahrt (5 Stunden unterwegs) ganz schön müde und machten uns lieber einen gemütlichen Abend. Der um die Ecke gelegene Nachtmarkt war das erste Mal kein Straßenmarkt sondern hatte feste Verkaufsstände auf einem großen Platz. Hinter den aneinander gereihten Ständen gab es große Zelte mit Sitzplätzen, also etwas wie Bierzelte auf einem Jahrmarkt. Dazwischen gab es ein paar Bühnen. Auf einer spielte ein Saxofonspieler großer Box die Melodie zu Hintergrundmusik und erinnerte uns ein bisschen an den Epic-Saxguy. Weil es fast die ganze Zeit das gleiche war. Unser Hotel war diesmal ein kleines privat geführtes, das in einem Wohnhaus, wie es uns schien, untergebracht war. Im Eingangsbereich wurden die Schuhe ausgezogen und gegen Schlappen eingetauscht. Unser Zimmer war ziemlich groß und auch das tat nach fast 2 Wochen in kleinen Zimmern sehr gut.





Da unser Zimmer ohne Frühstück war, gingen wir am ersten Morgen in Hualien in ein taiwanesisches Brunchcafé. Wir bestellten Reiskuchen, Pfannkuchen mit Ei und Käse und French Toast. Das sollte erstmal für eine kleine Wanderung reichen, die wir geplant hatten. Dafür nahmen wir einen Bus zum Liuye-See. Wie die meisten Touristen hätten wir uns gerne die Taroko-Schlucht angeschaut, allerdings ist die seit dem Hualien-Erdbeben im Herbst 2024 bis heute gesperrt. (Dort gibt es sehr viele schöne Wanderwege, die durch die Schlucht und Nebenschluchten an Wasserfällen und Marmor vorbeiführen. Die Erdrutsch- und Felssturzgefahr ist allerdings bis heute noch zu groß und Wege sind noch nicht wieder hergestellt oder gesichert.) Am See soll es allerdings auch ein paar schöne Wege geben, die wir ausprobieren wollten, weil die Einzelstrecken alle ziemlich kurz waren; ein paar Jahre später würden wir wahrscheinlich eher eine Tretboottour mit Max auf dem See machen. Unsere Tour führte uns ziemlich schnell vom asphaltierten Radweg um den See auf einen relativ rutschigen Wanderweg mit sehr unterschiedlichen Stufen. Manche mit Holzbalken, manche mit Beton, andere mit großen Steinen und dann auch noch welche mit kleinen flachen hochkant gesetzten Steinen. Und dann hatten wir tatsächlich Steigungen ohne Stufen. Achja und einen angelegten Steg gab’s natürlich auch noch. Wegen Bauarbeiten waren wir in der Wegwahl jedoch ziemlich eingeschränkt und den einzigen Weg bergauf wollte ich wegen den rutschigen Stufen nicht weiter als ein Drittel hochgehen. Wir hatten uns von den Wegen etwas mehr erhofft, bekamen dafür allerdings drei Affen zu sehen und schöne Blüten. Zurück in Hualien gab’s erstmal eine Pause am einem ehemaligen Industriegelände, das heute ein Kreativ- und Kulturpark ist. Während ich Mochis (mit rotem Bohnen und mit gemahlenen Erdnüssen) kaufte, weil das typisch für Hualien ist und die einfach lecker sind, ging Micha das Mittagessen holen. Es gab verschiedene gedämpfte Brötchen, da gegen 15 Uhr viele Läden geschlossen haben und die Auswahl nicht so groß war. Die Brötchen waren allerdings ein Glücksgriff. Später spazierten wir noch ans Meer und „übten“ mit Max auf einem riesigen Spielplatz Rutschen, Schaukeln und Krabbeln. Unseren Tagesabschluss machten wir bei einem Japaner. Auf dem Heimweg verstanden wir dann warum wir fast jeden Abend die Müllabfuhr hörten, weil die nämlich mit einer Melodie durch die Straßen fährt, damit die Leute rechtzeitig an die Straße kommen. An den Straßen standen nämlich sowohl Privatpersonen als auch Mitarbeitende von den Geschäften, um den Müll am Auto abzugeben. Der Müll wurde übrigens am Auto sortiert. Später am Abend mussten wir im Zimmer feststellen, dass das Fliegengitter eine Lücke hat und wir deshalb schon einige Stiche kassiert hatten. Dementsprechend waren wir die nächste Zeit damit beschäftigt, die Mücke zu verfolgen, um in Ruhe schlafen zu können. Am Ende war es Max, der die Mücke im Schlaf erwischte, als sie sich auf seinen Kopf gesetzt hatte. Und zwar noch bevor sie ihn stechen konnte. Ob das nochmal klappen kann?


















Gute Chancen dazu hätten wir am nächsten Morgen gehabt, weil es ziemlich feucht war und leicht nieselte. Für den Vormittag waren das für uns ideale Bedingungen, um das Wetter im Bus auszusitzen und Richtung Süden zu einem schönen Küstenabschnitt und Strand zu fahren. Frühstück gab es bei einem kleinen Laden, die vor allem für ihre selbstgemachten Dumplings bekannt sind. Zusammen mit Eierpfannkuchen und heißer Sojamilch ergab das ein gutes Frühstück und für unseren Proviant holten wir uns nochmal die gedämpften Brötchen. Mit Hilfe der Handys suchten wir uns die – hoffentlich – besten Sorten aus und zumindest ich wusste schon an der Kasse nicht mehr, welche Sorten wir uns ausgesucht hatten. (Später stellte sich raus, dass wir trotz verschiedener Teige dreimal welche mit roter Bohnenfüllung gekauft hatten.) Angekommen und aus dem Bus raus war ich überrascht wie blau der Pazifik trotz des grauen Wetters war. Bei Nieselregen stiegen wir aus dem Bus, um den Dashibi Mountain Trail zu laufen. Man muss an dieser Stelle allerdings sagen, dass dieser nur 750 m lang ist und mit einer Holztreppe nach oben und mit Steinstufen nach unten führt. Die Aussichtspunkte waren die Stufen definitiv wert allerdings machte der Weg nach unten wenig Spaß, weil die Steine rutschig waren. Wir gingen sehr langsam runter und liefen teilweise auch neben den Stufen, weil unsere Wanderschuhe dort mehr Halt hatten. Wieso in Taiwan überall Steinwege angelegt werden, die bei Feuchtigkeit rutschig werden, ist mir bei der Insel nicht ganz klar. Der Ausgang des Trails führte uns an einen anderen überdachten Aussichtspunkt an der Küste, der bei dem feuchten Wetter ein guter Platz für eine Pause war inklusive mit den Füßen im Meer baden. Zurück in Hualien erkundeten wir noch ein bisschen die Innenstadt, die uns in manchen Ecken an einen Basar erinnert hat, bevor wir nochmal zum Nachtmarkt gingen.














Am Morgen vor der Abfahrt entdecke ich einen geöffneten Uhrladen und bringen meine Armbanduhr zum Batteriewechsel hin, weil bei mir seit 3 Tagen 5 nach 5 ist. Hinter dem Tresen arbeiten eine ältere Frau, die keine Eile hat. Aber Zeit ist Geld und in diesem Fall spare ich gut. Für etwa 5,50 € geht meine Uhr wieder und ich konnte Max und Micha zum Frühstück folgen. Von dort ging es mit dem Bus an den Bahnhof, weil sich der Urlaub dem Ende nähert und wir zurück nach Taipeh mussten.

