Unser kleines Abenteuer in den Bergen begann nach der Zugfahrt von Tainan nach Chiyai am dortigen Bahnhof. Für den Ausflug über 2 Tage wollten wir nämlich nur die notwendigen (warmen) Klamotten mitnehmen und alles andere dort am Bahnhof lassen. Nachdem die Suche nach der Gepäckaufbewahrung erfolgreich war und wir mit 2 Rucksäcken weniger unterwegs waren, konnten wir uns endlich auf das wesentliche konzentrieren: Frühstück und Snacks kaufen, bevor wir mit der Alishan Forest Railway in den auf ca 2200 m hoch gelegenen Ort Alishan fuhren. Das Frühstück fand ich an einem Straßenstand. Dort kaufte ich Riceballs, die mit allerlei gefüllt waren; sehr deftig aber auch lecker. Für die Snacks bzw. unser Mittagessen mussten wir auf einen Konbini zurückgreifen, da wir unabhängig von der einzigen längeren Pause auf der 4,5 stündigen Fahrt sein wollten.


Um die Bahn zu beschreiben, muss ich an dieser Stelle etwas ausholen. Es ist eine Schmalspurbahn, die die 2200 Höhenmeter auf ca 55 km ohne Zahnräder, Schubstangen oder ähnliches bewältigt. Die ersten 14 km verlaufen im Flachen, sodass es der Anstieg echt insich hat. An den steilen Hängen bauten die Japaner 1896 die Bahn, um wertvolles Zedernholz schlagen und nach Japan zu verschiffen. Da hier die Zedern so gerade wachsen, und dabei teilweise schon Jahunderte alt und damit riesig sind, war und ist es zum einen ideales Holz zum Bau großer Tempelanlagen, aber auch für die Herstellung teurer Möbel. (Da die Holztempel gefühlt einmal im Jahrhundert aufgrund Blitzschlag abbrennen und es ziemlich viele große Tempel gibt, kann man verstehen, warum die Bahn wirtschaftlich gewesen sein muss.) Der Zug ruckelt auf der Fahrt eher langsam den Berg hoch, hat diverse Tunnel, sehr enge Kurven, Schleifen, eine Spirale, eine Acht und 3 Spitzkehren, sodass sich dort zumindest kurzfristig die Fahrtrichtung ändert. Das war definitiv schon ein Abenteuer für sich und manchmal hatten wir sogar eine gute Aussicht auf die Berge, wenn die Wolken und Sträucher bzw Bäume die Sicht zwischen den Tunneln zugelassen haben.

Nach 2,5 Stunden Fahrt gab es im kleinen Ort Fenqihu eine einstündige Pause, auf der wir auf dieser einspurigen Strecken auf den Gegenzug warteten. Natürlich ist die Umgebung um den Bahnhof bestens auf Touristen eingestellt. Es gibt ein kleines Bahnmuseum, ein Laden mit Zug-Bentoboxen und ganz viel andere Verkaufsstände mit lokalen Produkten. Wir gingen kurz durch das frei zugängliche Museum und schauten uns dann ein bisschen um. Den im Bahnticket enthaltenen Gutschein für einen Donut haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Von unseren taiwanesischen Mitfahren im Waggon haben wir sogar auch noch einen geschenkt bekommen (glaube Max hat das iwie eingefädelt….).





Das abenteuerlichste aber war das Wickeln in der Bahn. Es gab einen seitlich zur Fahrtrichtung orientierten Wickelklapptisch, der knapp über Kniehöhe an der Wand im kleinen Stillabteil des Zuges hing. Die seitliche Orientierung gepaart mit dem Gewackel des Zuges führte zu Surf- oder Skateeinlagen (je nachdem welche Sportart einem besser gefällt) bei Micha und mir und absolutem Missgefallen bei Max. Mit 4 Händen und gutem Zureden schafften wir das Wickeln und Umziehen ohne bleibende Schäden bei einem der Beteiligten.
Alishan wurde mit dem Ende der japanischen Besatzungszeit nach und nach zum Touristenort in einem Nationalpark, der nur aus kleinen Läden, Restaurants und Hotels besteht und Eintritt kostet. Nach unserer Ankunft nutzten wir den restlichen Nachmittag für eine kleine Wanderung, um uns die riesigen Zedern in der Gegend anzuschauen. Die ältesten noch stehenden Bäume sind übrigens über 1000 Jahre alt!











Nach der Rückkehr ins Hotel war unser Zimmer leider recht kalt, weil wir nicht wussten, dass einen Schalter für die Heizung gibt. Wir fanden ihn nach 2 Stunden; lieber spät als nie. Der Grund für unseren Ausflug nach Alishan ist ein absolutes Touri-Ding und zwar den Sonnenaufgang über dem Yushan, dem höchsten Berg Taiwans mit 3950m, auch Jadeberg genannt, zu sehen. Also klingelte unser Wecker zur zarten Uhrzeit von 4.40 Uhr (Max war so aufgeregt vor Freude, dass er schon ab 4 Uhr unruhig war). Warm angezogen und ohne Frühstück oder Kaffee oder Tee weil viel zu früh gingen wir an den Bahnhof, an dem wir gestern angekommen waren. Die kleine Bahn war eine andere als die Gestrige und hatte Waggons mit vielen Stehplätzen. Die Wagen haben uns an die Metro in Taipei erinnert und waren auch schon etwas älter, und genauso proppevoll wie zu Pendelzeiten. Oben an der Zielstation Zhushan liefen wir zu einem höher gelegenen Aussichtspunkt auf 2460m, um einen guten Platz mit Blick auf den Sonnenaufgang zu bekommen. Die Bahn fuhr um 5.50 Uhr ab, kam gut 30 min später an, um halb 7 waren wir nach oben hochgelaufen und Sonnenaufgang über dem Berg sollte gegen 7.00 Uhr sein. Bis dahin standen wir mit vielen anderen mit gezückten Kameras und warteten auf einen Sonnenstrahl bzw. darauf, dass die an den Bergen hängenden Wolken wegzogen. Das war fast wie Kino: auf einmal konnte man links einen Grat sehen, rechts etwas mehr von der Bergspitze, dann wurde es links etwas schlechter dafür rechts besser usw. Am Ende hingen die Wolken allerdings zu fest am Berg, sodass wir den Sonnenaufgang nicht direkt sehen konnten. Vor diesem Bergpanorama gab es einen kleinen Onigiri- & Milchtee-Snack, welchen wir uns mitgebracht hatten. Danach machten wir uns auf den Weg zurück in den Ort, um richtig zu frühstücken. (Bei unserem Hotel gab es kein eigenes Frühstück, sondern einen Gutschein für ein Lokal mit Frühstücksbuffet.) Das Frühstück war im Vergleich zum Erlebnis in Tainan wieder mehr nach unserem Geschmack. Gedämpfte Brötchen, Nudeln, Gemüse, Congee (der Reisbrei), und Toast, unter anderem mit Ananas-Aufstrich. Zu trinken gab es heiße Sojamilch und Kaffee. Das war ein guter Abschluss des Alishan-Ausflugs. Im Lokal trafen wir sogar die Reisegruppe, mit der wir im Wagen auf dem Weg nach Alishan saßen, wieder.







Von Alishan aus fuhren wir am Mittag mit dem Bus nach Shizhao. Der inmitten von steilen Teefeldern liegende Ort befindet sich auf halber Höhe auf unserem Weg zurück an die Küste, auf immerhin noch 1500 m. Wir hatten ein Zimmer in einem Teehaus mit einer schönen Terrasse und Ausblick in das Tal und die Umgebung gebucht, mussten allerdings auf dem Weg dorthin schon eine sehr steile Straße rauflaufen. Das sollte ein Vorgeschmack zu unserer kleinen Wanderung am Nachmittag werden. Die meisten Höhenmeter gewannen wir durch Treppen und ließen sie auf steilen Straßen wieder hinter uns. Nachdem wir bei der Ankunft sonniges Wetter hatten und deshalb eine längere Pause auf der Wiese am Teehaus machten, zogen im Laufe des Nachmittags wieder Wolken und Nebel hoch, sodass wir unsere Wanderung bei sehr schlechter Sicht starteten. Auf dem Weg nach oben wurde die Sicht immer besser, sodass wir einen schönen Blick auf die Teefelder hatten. Auf dem Rückweg wurde es allerdings immer grauer und wir hofften schon auf bessere Sicht am nächsten Vormittag als während unserer Essenspause im Konbini die Wolken wegzogen und sich uns ein schöner Sonnenuntergang präsentierte. Die letzten Züge des Sonnenuntergangs genossen wir wieder auf der Terrasse, bevor es zu kalt wurde und wir die statt einer Heizung vorhanden Heizmatratzen im Zimmer anmachen.










Morgens schlief Max ziemlich lange, sodass wir gemütlich draußen frühstückten. Das Frühstück hatten wir am Vorabend bestellt und war deshalb leider etwas wenig. Kurz bevor ich noch einen Reiskeks essen wollte, kam der Inhaber der Teefarm und fragte, ob wir Zeit hätten, Tee zu probieren. Wir hatten zwar nicht mehr so viel Zeit aber wollten uns das nicht entgehen lassen und gingen mit in den Vorführraum. Wir entschieden uns für einen Oolong-Tee, den er klassisch aufgoss. Dafür gab er zuerst eine ordentliche Menge ganzer getrockneter Teeblätter in das kleine Kännchen und gab dann eine kleine Menge heißes Wasser darüber. Kurze Zeit später goss er es wieder aus und nutzte es, um die Teeschälchen vorzuwärmen. Danach folgte der erste richtige Aufguss. Insgesamt achtmal hat er den Tee aufgegossen. Wir lernten, dass Tee aus der Höhe öfters aufgegossen werden kann als der Tee aus tieferen Lagen. Allerdings ging die Kommunikation leider nur mit dem Handy. Zum Schluss probierten wir noch einen Kaffee, der ebenfalls dort angebaut wird. Der wurde sehr dünn getrunken und hatte etwas von Tee aus Kaffeepulver. Wir kauften etwas Tee und packten dann in Rekordgeschwindigkeit unsere Sachen, um den Bus im Dorf zu bekommen.




Unsere nächste Etappe führt uns zurück in die Ebene.
